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Empfehlung der Kultusministerkonferenz zur Zusammenarbeit von Schulbibliotheken und öffentlichen Bibliotheken
Bekanntm. vom 28.April 1980 - 2064 - 32 208 -5 (SVBl. S.153; ber. S.373)
Bezug: Bek. d. MWK v. 2.10.1979 (Nds.MBl. S.1828)

In der Anlage gebe ich die von der Kultusministerkonferenz am 14.9.1979 beschlossene „Empfehlung zur Zusammenarbeit von Schulbibliotheken und öffentlichen Bibliotheken” bekannt.

Anlage

Empfehlung der Kultusministerkonferenz zur Zusammenarbeit von Schulbibliotheken und öffentlichen Bibliotheken vom 14.9.1979

Die Ständige Konferenz der Kultusminister hat in ihrer Zweiten Empfehlung zum öffentlichen Bibliothekswesen vom 3.12.1971 (Beschlußsammlung Nr.2129.3) die besondere Förderungswürdigkeit der Schulbibliotheken hervorgehoben und eine Einzelempfehlung zur Zusammenarbeit von Schulbibliothek und öffentlicher Bibliothek in Aussicht gestellt. In Ausführung dieses Beschlusses empfiehlt sie, die Zusammenarbeit von Schulbibliothek und öffentlicher Bibliothek und die sich damit ergebende Neuordnung des Schulbibliothekswesens nach den folgenden Grundsätzen zu regeln:

A. Allgemeines

1. Die von allen Ländern getragenen Reformen im Bildungswesen erfordern, vornehmlich infolge des dadurch bedingten Wandels von Bildungszielen und Unterrichtsformen, mehr noch als zuvor die Einbeziehung von Medien, insbesondere des Buches, in die Erziehungs- und Bildungsarbeit der Schule. Damit kommt den Schulbibliotheken und ihrer Neuordnung erhöhte Bedeutung zu.

2. Die Schulbibliothek ist Bestandteil der Schule. Sie faßt alle an der Schule geführten Büchereien (z.B. Schülerbücherei, Lehrerbücherei, Arbeitsbücherei usw.) zusammen, auch wenn einzelne Sammlungen dezentral aufgestellt werden. Sie dient Schülern und Lehrern, kann aber auch begründete Interessen der Eltern berücksichtigen. Soweit sie für die außerschulische Bildung zur Verfügung steht, sind besondere Regelungen für Beschaffung, Organisation und Benutzung zu treffen.

3. Die sachgerechte Ausstattung der Schulen mit audio-visuellen Medien, der Ausbau der Schulbibliotheken zu Mediotheken und die Zusammenarbeit der Bildstellen mit den Bibliotheken bedürfen besonderer Regelungen.

B. Grundsätze für die Zusammenarbeit von Schulbibliotheken und öffentlichen Bibliotheken

4. Die Zusammenarbeit von Schulbibliothek und öffentlicher Bibliothek dient dem Ziel, das Angebot für beide Bereiche sinnvoll zu planen und zu ergänzen sowie den Ausbau und Betrieb der Einrichtungen zu rationalisieren. Die Aufgaben sind eindeutig so abzugrenzen, daß jeder Teil gemeinsame wie auch eigene Aufgaben angemessen zu erfüllen vermag.

5. Im Rahmen der Zusammenarbeit mit der öffentlichen Bibliothek kann auch der Schulbibliothek nach Maßgabe der dafür geltenden Bestimmungen der finanziellen Regelungen und der organisatorischen Möglichkeiten die Nutzung der Bestände der örtlichen und überörtlichen Bibliotheken einschließlich der wissenschaftlichen Bibliotheken im Wege des Leihverkehrs ermöglicht werden.

6. Bei der Zusammenarbeit ist zu berücksichtigen:

6.1 Die Kapazität der öffentlichen Bibliothek ist so weit wie möglich zu nutzen.

6.2 Die Schulbibliothek dient der Erfüllung des Erziehungs- und Bildungsauftrages der Schule. Dies bedingt auch, daß die Entscheidung über die Beschaffung von Literatur für schulische Zwecke bei den nach den örtlichen Gegebenheiten für die Schule zuständigen Stellen verbleiben muß.

6.3 Soweit der Schulträger und der Träger der öffentlichen Bibliothek nicht identisch sind, bedarf die Zusammenarbeit ihrer vorherigen Absprache, insbesondere hinsichtlich ihnen etwa entstehender Sach- und Personalkosten.

7. Als Voraussetzung für eine wirksame wechselseitige Zusammenarbeit von Schulbibliothek und öffentlicher Bibliothek sind folgende Grundsätze zu beachten;

7.1 Die Schulbibliothek stellt als einheitliche Arbeitsbibliothek zentral Bücher, Zeitschriften, Zeitungen u.a. zur Verfügung. Sie dient auch der allgemeinen Information und den besonderen Interessen ihrer Benutzer und trägt dazu bei, die Schüler an die Benutzung öffentlicher Bibliotheken heranzuführen.

7.2 Die zentrale Beschaffung, Erfassung und Verwaltung aller Buchbestände der Schule schließt eine dezentrale Aufstellung eines Teils der Bücher nicht aus, soweit dies aus Mangel an geeigneten Räumen notwendig ist oder aus pädagogisch-didaktischen sowie organisatorischen Gründen zweckmäßiger erscheint.

An Schulen mit größeren Buchbeständen sollte nach Möglichkeit ein Bereich mit einer angemessenen Zahl von Arbeits- und Leseplätzen zur Verfügung stehen, in dem die wichtigsten Bestände zugänglich sind.

7.3 Der größte Teil des Buchbestandes (Präsenz- und Ausleihbestände) sollte den Benutzern in Freihandaufstellung angeboten werden. Die Öffnungszeit soll — in Verbindung mit den Unterrichtszeiten — so geregelt sein, daß alle Benutzer regelmäßig und ausreichend Gelegenheit haben, die Schulbibliothek in Anspruch zu nehmen.

7.4 Der Aufstellung und Erschließung des gesamten Buchbestandes - einschließlich der dezentral aufgestellten Bücher usw. - sind in der Regel die Ordnungsprinzipien der öffentlichen Bibliotheken zugrunde zu legen.

Der Buchbestand muß katalogisiert werden. Als Katalogformen kommen in Betracht:

Dabei sollen die Regeln für die Katalogisierung der öffentlichen Bibliotheken soweit wie möglich übernommen werden. Die Kataloge sind den Benutzern frei und zentral zugänglich zu machen.

7.5 Die Schule sollte sich bei der Beschaffung und Bestandserschließung der Hilfe der öffentlichen Bibliothek bedienen.

7.6 Die Einbeziehung einer Schulbibliothek in eine öffentliche Bibliothek ist möglich, wenn die öffentliche Bibliothek auf dem Schulgelände oder - in Ausnahmefällen - in unmittelbarer Nähe untergebracht ist und damit der Schule und ihren Benutzern der unmittelbare Zugang zu solchen Büchern usw. gewährleistet bleibt, die einer vorrangigen Benutzung durch die Schule, insbesondere aus pädagogischen, organisatorischen oder zeitlichen Gründen vorbehalten bleiben müssen.

Unter den gleichen Bedingungen kann bei strukturell günstigen Standortvoraussetzungen die Schulbibliothek zur Zweigstelle der öffentlichen Bibliothek ausgebaut werden.

Für jede solche Form der Einbeziehung der Schulbibliothek in die öffentliche Bibliothek ist die Zustimmung des jeweiligen Trägers der Schule und der öffentlichen Bibliothek erforderlich.

8. An oder in Verbindung mit öffentlichen Bibliotheken können zentrale Arbeitsabteilungen (schulbibliothekarische Arbeitsstellen) für die Schulbibliotheken ihres Einzugsbereiches eingerichtet werden. Diese schulbibliothekarischen Arbeitsstellen können nach besonderer Vereinbarung auch die Schulbibliotheken solcher Schulträger betreuen, die nicht mit dem Träger der öffentlichen Bibliothek identisch sind. Sie beraten und unterstützen die Schulbibliothek in ihren besonderen bibliothekarischen Aufgaben und fördern ihre Zusammenarbeit mit den öffentlichen Bibliotheken. Zu ihren Aufgaben gehört insbesondere

Die Aufgaben von schulbibliothekarischen Arbeitsstellen können auch von staatlichen Büchereistellen wahrgenommen werden.

9. Es ist Sache der einzelnen Länder, zur Verwirklichung der vorstehenden Grundsätze den zuständigen Stellen (Schulen, Schulträgern, Bibliotheken und schulbibliothekarischen Arbeitsstellen) Empfehlungen insbesondere für die sachgerechte Ausstattung der Schulbibliotheken zu geben, bei denen einerseits die pädagogischen und bibliothekarischen Erfordernisse und andererseits die finanziellen Voraussetzungen zu berücksichtigen sind.

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