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Plattdeutsch in der Schule
Erl. v. 12.8.1987 - 201-82121 (SVBl. S.235 - Gültl 152/293)

Plattdeutsch ist in bestimmten Gegenden Niedersachsens noch eine lebendige Sprache und sollte es bleiben. Viele Menschen verstehen oder sprechen plattdeutsch, vielfach in ortsnah gebundener Mundart. Plattdeutsch ist ein wichtiges Kulturgut und muss gepflegt und gefördert werden, nicht zuletzt in den Schulen des Landes.

Seit Jahren gibt es an einer Reihe von Schulen Aktivitäten, um Schüler an das Plattdeutsche heranzuführen oder sie im Gebrauch des Plattdeutschen anzuleiten und zu stärken. Das Plattdeutsche wird eingebunden in Veranstaltungen von Schule, Heimatverein und Dorf- bzw. Stadtgemeinde, in Vorlesewettbewerben und niederdeutschem Laienspiel. Ich habe diese Vorhaben stets begrüßt und unterstützt.

In den letzten Jahren sind Rahmenrichtlinien für alle Schulformen des allgemeinbildenden Schulwesens erlassen worden. Besonders im Fach Deutsch besteht die Möglichkeit, das Plattdeutsche in den Unterricht einzubeziehen. Ergänzend dazu wird hiermit nachdrücklich empfohlen, die Bemühungen um die Erhaltung und Wiederbelebung des Plattdeutschen zu verstärken. Im Fach Deutsch können je nach Schulform und Altersstufe das Lesen plattdeutscher Texte, die Auseinandersetzung mit der Eigenart dieser Literatur und die Sprachbetrachtung Gegenstand im Unterricht sein. Hierbei sollte heitere und ernste Literatur gleichermaßen berücksichtigt werden. Bei der Behandlung heimatkundlicher und regionalgeschichtlicher Sachverhalte im Sachunterricht wie in den Fächern Erdkunde und Geschichte bietet sich das Plattdeutsche als Unterrichtsgegenstand an. Auch im Musikunterricht können in besonderer Weise Angebote an plattdeutschen Liedern und Singspielen in Verbindung mit Tanz und Bewegung genutzt werden.

Darüber hinaus können Arbeitsgemeinschaften angeboten werden, die sich mit plattdeutschem Laienspiel, der Erarbeitung eigener Hörspiele und heimatpflegerischen Aufgaben im Wohnort bzw. in der Schulgemeinde befassen. Bei geeigneten Veranstaltungen zum Schulleben sollten Möglichkeiten einer Einbindung plattdeutscher Beiträge genutzt werden. Bisherige Erfahrungen haben gezeigt, dass die Zusammenarbeit von Schule und örtlichen Heimatvereinen in Verbindung mit den überörtlichen Heimatverbänden und Landschaften förderlich sein kann. Sie wird hiermit empfohlen, zum Beispiel für die Bereitstellung von geeigneten ortsnah gebundenen Materialien, den gegenseitigen Erfahrungsaustausch und die Durchführung gemeinsamer öffentlicher Veranstaltungen.

Ich bitte die niedersächsische Lehrerschaft und die Dezernenten in den Schulbehörden, an allen Schulen, an denen die Voraussetzungen für die Pflege und Förderung der plattdeutschen Sprache gegeben sind oder geschaffen werden können, sich dieses Anliegens besonders anzunehmen und über besonders beispielgebende Aktivitäten auf dem Dienstwege zu berichten. Ich gehe davon aus, dass Kurse in der zentralen und regionalen Lehrerfortbildung den Lehrerinnen und Lehrern eine angemessene didaktische, inhaltliche und methodische Unterrichtshilfe anbieten werden.